Augsburg (pm). Mit einem Fachtag in Nürnberg hat das Projekt TAFF (Therapeutische Angebote für Flüchtlinge) sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Auch in Augsburg gibt es einen Standort.
Am Alten Postweg kümmern sich Diakoniemitarbeiterin Susanne Donn und drei Kolleg:innen um die Versorgung psychisch erkrankter und schwer belasteter Flüchtlinge. Gestartet ist das Angebot in Augsburg im Frühjahr 2023 und hat eine wichtige Lücke im Bereich psychosozialer Unterstützung geschlossen. Entstanden ist das Konzept für TAFF auf Bayernebene bereits 2014 – als Reaktion auf die Rückmeldungen von Flüchtlings- und Integrationsberater:innen, die auf die hohe psychische Belastung bei ihren Klient:innen hingewiesen hatten. Beim Projektstart ging es vor allem darum, Versorgungslücken im ländlichen Raum zu schließen: „Inzwischen sind Psychotherapieplätze auch in der Stadt schwer zu finden“, erklärt Donn. Posttraumatische Belastungsstörungen, akute Belastungsreaktionen, Depressionen, Suizidgedanken und Stresserkrankungen – die Bandbreite der psychischen Probleme, mit denen Klient:innen kommen, ist groß.
Erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen
TAFF etabliert am jeweiligen Standort Kontakt- und Koordinierungsstellen. Oft sind die Mitarbeiter:innen erste Anlaufstelle für Geflüchtete mit psychischen Problemen. In vielen Fällen hilft bereits die niedrigschwellige individuelle Beratung und Stabilisierung durch die TAFF-Berater:innen, damit es den Klient:innen besser geht. Bei Bedarf wird die Einzelfallberatung ergänzt – z.B. durch niedrigschwellige Gruppenangebote wie Workshops zur Selbstwirksamkeit oder eine Anbindung an andere Beratungsstellen wie z.B. die Evangelische Beratungsstelle der Diakonie oder die Schwangerenberatung. Auch in Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung wie z.B. Sportvereine vermitteln die Berater:innen. Neben einer Tagesstruktur ermöglicht Sport den Geflüchteten, „ihren Körper wieder zu empfinden und Selbstwirksamkeit zu erfahren“, so Donn – eine Erfahrung, die vielen z.B. aufgrund des lückenhaften Zugangs zu Sprachkursen verwehrt bleibt.
Schwieriger Zugang zur Regelversorgung
Wenn ein Psychotherapieplatz benötigt wird, stoßen auch die Berater:innen an Grenzen: „Unsere größte Hürde bleibt der Zugang zur Regelversorgung“, sagt Donn. Einen Therapieplatz zu finden, sei schon für deutsche Staatsangehörige schwer – „für Geflüchtete ist es nahezu unmöglich“. Sprachbarrieren, ein unsicherer Aufenthaltsstatus oder eine fehlende Krankenversicherung erschwerten den Zugang zusätzlich.
„Flucht ist sehr viel fordernder als geplante Migration“, erläutert Donn. Nach der Lebensgefahr auf der Flucht und dem Verlust der Heimat, von Familie und Freunden, lebten viele Geflüchtete in Deutschland in der Unsicherheit, ob sie bleiben dürfen. Beengte Unterkünfte und Beschränkungen beim Zugang zu Sprachkursen und bei der Beschäftigungsaufnahme belasteten diese Zielgruppe zusätzlich. Dabei benötigten gerade traumatisierte Menschen äußere Sicherheit, um zu innerer Stabilität (zurück) zu finden.
Geschichten, die Mut machen
Aber es gibt auch immer wieder Beispiele, die Mut machen, wie die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter. Obwohl ihr Asylantrag abgelehnt worden war, engagierte sie sich ehrenamtlich in einem Seniorenheim – aus innerer Überzeugung. Diese Tätigkeit gab ihr Halt. Die TAFF-Mitarbeiter:innen begleiteten sie durch die Krise und unterstützten ihren Antrag bei der Härtefallkommission – mit Erfolg. Heute darf sie in Deutschland bleiben und arbeitet wieder in der Pflege, wo Mitarbeiter:innen wie sie dringend gebraucht werden. Susanne Donn: „Ihre Geschichte zeigt, wie innere Stärke trotz widrigster Umstände wachsen kann – mit der richtigen Unterstützung.“