Fachtag setzt Zeichen für gelingende Integration

Teilnehmende beim Fachtag Wohnen für Alle
Pressemitteilung von

Günzburg (pm). 78 Teilnehmende zählte der Fachtag des kirchlich-diakonischen Projekts Wohnraum für Alle (WoFA) – „Ein Zuhause für Chancen – Integration im Spannungsfeld von Wohnen und Arbeit“.

Gemeinsame Träger:innen des Projekts sind die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) und verschiedene Mitgliedseinrichtungen des Diakonischen Werks Bayern. WoFA ist zwischenzeitlich in 13 Städten und Landkreisen im Freistaat aktiv. Einmal jährlich laden die Koordinator:innen zu einem Netzwerktreffen ein. Dem schloss sich heuer erstmals ein Fachtag an. Im Mittelpunkt standen Beiträge aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft, die zeigten, wie zentrale Lebensbereiche wie Wohnen und Arbeit Menschen mit Migrationsgeschichte Türen öffnen können – und müssen.
Mehr als 4.700 Menschen haben durch das Projekt bereits Wohnraum gefunden. Dr. Heike Jung, Ministerialdirigentin im Bayerischen Innenministerium, würdigte das Engagement und hob hervor, dass „das Wirken von WoFA nachhaltig“ sei, da WoFA auch nach Abschluss des Mietvertrages Ansprechpartner bleibe und die Menschen weiterhin begleite: „Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf – es bedeutet „bleiben, verweilen, sich aufhalten, zufrieden sein“.

Integration konkret leben

Auch die Vertreter:innen von Unternehmen machten deutlich: Integration ist eine Gemeinschaftsaufgabe. So erinnerte Martin Riß, geistlicher Direktor des Dominikus-Ringeisen-Werks, an die Aufnahme von 82 schwerbehinderten ukrainischen Kindern im April 2022 und stellte die Frage: „Wo würden wir selbst hingehen, mit unseren hilfsbedürftigen Menschen, wenn wir fliehen müssten? Wo würden wir Obdach finden?!“ – ein Appell für Mitmenschlichkeit und globale Verantwortung.
Margit Werdich-Munk, Personalreferentin der Steigtechnik Munk GmbH, erklärte, wie ihr Unternehmen Integration konkret lebt: „Wir suchen keine Fachkräfte – wir suchen Menschen.“ 34 verschiedene Nationalitäten sind im Unternehmen vertreten. Die Sprache im Unternehmen sei Deutsch; Mitarbeitende und ihre Familien können kostenlose Deutschkurse besuchen. Darüber hinaus hilft das Unternehmen z.B. auch, einen Kitaplatz oder eine Wohnung zu finden und ebnet den Weg zum örtlichen Sportverein.

Gemeinsam Lösungen denken

Am Nachmittag wurde es praktisch, dialogorientiert und überraschend konkret: Das World-Café eröffnete den Raum für praxisnahe Gespräche, Perspektivenvielfalt und Ideenentwicklung und stieß bei den Teilnehmenden auf große Resonanz. In kurzen Impulsrunden stellten Expert:innen aus verschiedenen Handlungsfeldern ihre Themen an Thementischen vor. Die Teilnehmenden wechselten in kleinen Gruppen zwischen den Tischen und diskutierten mit. Dabei ging es z.B. darum, wie man Migrant:innen für ein freiwilliges Engagement gewinnt, wie nicht nur die Vermittlung in Wohnraum, sondern auch das Ankommen im Alltag gelingt oder welche Arbeitsmarkinstrumente es für Zugewanderte gibt und wie Betroffene und Arbeitgeber:innen von ihnen erfahren. „Viele Teilnehmende wussten vorher nicht, wie viele Initiativen, Förderprogramme oder gelungene Praxisbeispiele es bereits gibt“, sagt Katharina Freienstein vom Projektmanagement WoFA und ergänzt: „Gute Ideen allein reichen nicht. Es braucht Sichtbarkeit, Verbindungen und vor allem konkrete Strukturen.“

Arbeitsgruppen: Vom Gespräch zur Handlung

In der anschließenden Arbeitsgruppenphase wurde das Gehörte und Diskutierte vertieft. Die Themen reichten von Ausbildungsförderung über die Gewinnung von Ehrenamtlichen bis hin zu praktischen Unterstützungsangeboten im Alltag.
Kernfragen waren: Wie können bestehende Strukturen bekannter gemacht und besser verzahnt werden? Wo fehlen Informationsangebote – besonders im ländlichen Raum? Wie lässt sich eine Willkommenskultur konkret in Institutionen und Unternehmen verankern? Eine zentrale Erkenntnis war dabei die Bedeutung von Netzwerken, insbesondere in strukturschwächeren Regionen. Stichwort Mobilität: Ob Menschen Angebote wahrnehmen können, hängt oft schlicht davon ab, ob sie diese erreichen können. Für eine gelingende Integration brauche es aber vor allem Wertschätzung, Haltung und Kommunikation – in Ämtern, Unternehmen und der Gesellschaft.