Engagierte Begleitung für erfolgreiche Pflegeausbildung

Junger Pfleger mit Seniorin im Garten
Pressemitteilung von

Augsburg (pm). Mit ihrer Abteilung Die Junge Werkstatt unterstützen die Diakonie HandwerksBetriebe (DHB) benachteiligte junge Menschen beim Übergang in Arbeit und Beruf – auch in der Pflege.

Lernschwierigkeiten an der Pflegeschule, Probleme in der Praxisstelle, persönliche Krisen – es gibt viele Gründe, warum junge Menschen ihre Pflegeausbildung vorzeitig abbrechen. Das Projekt ejsa* care – Coaching für Pflegekräfte von morgen begleitet Schüler:innen der Pflegeschulen des diako, die maximal 27 Jahre alt sind, durch die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer (m/w/d) ebenso wie durch die dreijährige zur Pflegefachkraft. Durch die gezielte Unterstützung der pädagogischen Mitarbeiterin Martina Jörg erhalten die Teilnehmer:innen, die in ihrem Alltag unterschiedliche Herausforderungen haben, die nötigen Hilfestellungen, um ihre Ausbildung im Pflegebereich erfolgreich zu absolvieren: „Sie sollen befähigt werden, sich selbst zu helfen“, erklärt die DHB-Mitarbeiterin. Konkret heißt das zum Beispiel: Anträge müssen sie selbst ausfüllen, einen Anruf bei der Ausländerbehörde übernimmt schon mal die Pädagogin. Auch Selbstfürsorge gehöre zu den Ressourcen. Wenn also etwa eine junge Mutter eine Ausbildung macht, müsse sie ihren Partner in die Pflicht nehmen, sich um die Kinder zu kümmern, damit sie in Ruhe lernen kann. Neben der sozialpädagogischen Einzelarbeit oder Gruppenangeboten wie Workshops zu Lernmethoden kommt bei Bedarf auch die Vermittlung an weiterführende Fachstellen zum Einsatz. Ein Beispiel: Eine Auszubildende lebt zwar nicht mehr daheim, macht sich aber Sorgen, wie ihr alleinerziehender Vater und die jüngere Schwester ohne sie zurechtkommen. In diesem Fall hat Martina Jörg die Kontaktdaten der Evangelischen Beratungsstelle der Diakonie weitergebeben, die unter anderem in Fragen zur Erziehung unterstützt. Eine geflüchtete afrikanische Auszubildende mit psychischen Problemen hat sie an das Projekt TAFF (Therapeutische Angebote für Flüchtlinge) der Diakonie weitergeleitet. „Wegen ihres ungeklärten Aufenthaltsstatus‘ ist sie jedes Mal zusammengezuckt, wenn ein Polizeiwagen an ihr vorbeifuhr“, erinnert sich die Pädagogin. Sie begleitet die Teilnehmer:innen also nicht nur bei Fragen zur praktischen Ausbildung, sondern steht ihnen auch in persönlichen Angelegenheiten zur Seite. Einmal pro Woche bietet sie an der Pflegeschule eine Sprechstunde an. Bei Bedarf kommen die Schüler:innen auch zu ihr in die DHB. Die räumliche Nähe beider Einrichtungen zueinander in Pfersee sei dabei natürlich von Vorteil. Zudem tauscht sie sich regelmäßig mit der Kooperationspartnerin an der Schule aus und nimmt an den Treffen der Praxisanleiter:innen teil, die die angehenden Pflegekräfte im praktischen Teil ihrer Ausbildung begleiten.
Für Pfarrer Benjamin Lorenz, Leiter der Pflegeschulen des diako, ist das Angebot „gelebte Diakonie“. Zehn Schüler:innen, also rund ein Sechstel des dreijährigen Ausbildungsjahrgangs zur Pflegefachkraft, konnten dank ejsa care in der Ausbildung gehalten werden bzw. wieder neu einsteigen. Die Bedarfe der Schüler:innen hätten sich in den letzten zehn bis 15 Jahren stark verändert: Aktuell werden an den Pflegeschulen des diako Menschen aus 58 Nationen beschult. Heimweh, struktureller Rassismus oder Überforderung, weil sie neben ihrer Ausbildung noch einen Nebenjob haben, um die Familie im Herkunftsland finanziell zu unterstützen – all das sind Themen, um die sich die Schule nicht kümmern kann. Für Lorenz ist es zudem ein Mehrwert, dass mit Martina Jörg „jemand, der nicht Teil des Lehrerkollegiums ist“ ihm und seinen Kolleg:innen hilft, „einen zweiten Blick zu bekommen und genau auf den Einzelfall zu schauen“. Ejsa care möchte er daher nicht missen: „Es macht unsere Schule bunter.“
Einen Mehrwert hat das Projekt aber nicht nur für die Auszubildenden und die Pflegeschule: Die Pflegeeinrichtungen, in denen sie tätig sind, profitieren davon, dass die Auszubildenden bei Problemen eine weitere Anlaufstelle haben. Die Integration von jungen Menschen mit verschiedenen Hintergründen fördert zudem ein diverses Arbeitsumfeld. Etwa 15 Teilnehmer:innen des Projektes haben ihre Praxisstelle in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen des diako und des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA). Darüber hinaus trägt das Projekt zur Verbesserung der Situation in der Pflege insgesamt bei, indem es den Mangel an qualifiziertem Personal aktiv bekämpft. „In Zeiten, in denen die Nachfrage nach Pflegekräften stetig steigt, kann die Einbindung junger Menschen mit Lern- und sonstigen Schwierigkeiten dazu beitragen, den Fachkräftemangel langfristig zu lindern“, sagt Michael Krause, Fachvorstand des DWA. Das Projekt sei daher in doppeltem Sinne diakonisch: Zum einen sorge es selbst für Fachkräftenachwuchs für die Pflegeeinrichtungen der Diakonie, zum anderen ermögliche es benachteiligten jungen Menschen die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Die Unterstützung und Förderung solcher Projekte ist für Krause daher nicht nur eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft, sondern auch „eine Frage der sozialen Gerechtigkeit“.

*Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern e.V.

Info: Das Projekt ejsa care – Coaching für Pflegekräfte von morgen ist Anfang 2024 gestartet und zunächst bis 31. Dezember 2026 befristet. Gefördert wird es zu 80 Prozent vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention; die restlichen 20 Prozent bringen je zur Hälfte das Diakonische Werk Augsburg (DWA) und die Evangelische Diakonissenanstalt Augsburg ein. Bislang wurden 68 Auszubildende begleitet (52 Frauen/16 Männer). Angesiedelt ist das Projekt bei den DHB, einer 100%igen Tochter des DWA. Die Teilnahme am Projekt ist für die Pflegeschüler:innen kostenlos. Infos unter https://ejsa-bayern.de/ejsa-care/ 

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