Augsburg (pm). Die Kampagne „Wir. Füreinander – Integration verbindet“ macht sichtbar, wie Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte die bayerische Gesellschaft mitgestalten. Einer von ihnen ist Sadi.
Als er am 4. September mit seinem Vater durch den Park der Villa Hammerschmidt in Bonn ging, wo er zum Bürgerfest des Bundespräsidenten eingeladen war, musste er an einen anderen September denken – vier Jahre zuvor, an seine ersten Tage in Deutschland. 2022 war er mit seiner Familie im Rahmen einer humanitären Aufnahme aus Afghanistan gekommen. Schon bei der Landung in Frankfurt hatte sich der damals 22-Jährige etwas vorgenommen: Er wollte versuchen, „dieses Land zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und meinen eigenen Platz darin zu finden“.
Der Weg dorthin begann mit vielen kleinen Schritten: einem neuen Wort, einem Formular, einem Gespräch, einer Busfahrt, einer ersten Bekanntschaft. „Die Sprache war dabei mein erster Schlüssel“, erinnert sich Sadi. Sie öffnete ihm den Zugang zu den Menschen und ermöglicht ihm Zugehörigkeit, die für ihn keine Frage von Geburt oder Herkunft ist: „Afghanistan bleibt meine Heimat. Deutschland ist der Ort, an dem ein neuer Teil meines Lebens entstanden ist.“
Als wichtigen Abschnitt dieses neuen Lebens bezeichnet er die Übernahme eines Ehrenamts beim Jugendmigrationsdienst (jmd) der Diakonie Augsburg, wo er selbst Klient war. Beim jmd fand er von Anfang an beides: Unterstützung in Mathematik und gleichzeitig eine Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Als Sprachpate konnte ich etwas weitergeben, das ich selbst kurz zuvor noch mühsam gelernt hatte“, beschreibt er seine Motivation. Über das Freiwilligen-Zentrum Augsburg war er auf die Diakonie aufmerksam geworden und begleitet seit April 2024 junge Migrant:innen im Rahmen des Projekts Brückenbauer 2.0. Eine besondere Würdigung seines Engagements war die Teilnahme am Bürgerfest des Bundespräsidenten, zu dem jährlich ausgewählte Ehrenamtliche aus ganz Deutschland eingeladen werden. Für Sadi ein Moment des Innehaltens – „nicht, weil damit irgendein Ziel erreicht wäre, sondern weil sich für einen kurzen Moment zeigte, wie viel sich in wenigen Jahren verändern kann.“ Ein Weg mit vielen kleinen Etappen – auch schulisch und beruflich. Die nächste hat zum Wintersemester 2026/27 begonnen: Anfang der Woche hat er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ein Studium der Politikwissenschaft aufgenommen.
Nach vier Jahren in Deutschland ist Sadi überzeugt: „Ankommen beginnt vielleicht mit einer offenen Tür. Zugehörigkeit entsteht aber erst, wenn man selbst anfängt, Türen für andere offen zu halten.“
Info: „Wir. Füreinander – Integration verbindet“ ist eine gemeinsame Kampagne von Diakonie, Caritas und Bayerischem Innenministerium. Die bayernweite Kampagne stellt Menschen in den Mittelpunkt, die in Bayern ihren Platz gefunden haben, Verantwortung übernehmen und das Zusammenleben bereichern. Hier geht es zur Kampagne.
Auf der Kampagnenwebsite können sich Interessierte außerdem selbst beteiligen und auf einer interaktiven Bayernkarte zeigen, wo sie gelingendes Miteinander erleben.