Vom „Kliniker mit Herzblut“ zum Leiter der Evang. Beratungsstelle

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Augsburg (pm). Denis Zanda heißt der neue Leiter der Evangelischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA). Nach 20 Jahren als Klinikpsychologe ist der 49-Jährige nun in den ambulanten Bereich gewechselt.

Zanda ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 15 und 13 Jahren. Er stammt aus einer italienischen Familie in Oberschwaben. Nach dem deutschen Abitur ging er zum Studium nach Italien, wo er den Doktor der Psychologie machte. 1997 war Zanda über ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg an die Universität Freiburg gekommen und arbeitete dort an einem internationalen Forschungsprojekt in der Grundlagenemotionsforschung im Fachbereich Psychophysiologie mit.

„Ich war 20 Jahre lang Kliniker mit Herzblut“, sagt Zanda, der zuletzt 17 Jahre im Josefinum tätig war. In therapeutischer Leitungsfunktion hat er auf seiner Station vor allem mit jungen Patient:innen mit Depression, Autismus oder Magersucht gearbeitet. Als systemischer Familientherapeut war es ihm wichtig, auch die Angehörigen mit einzubeziehen: „Wir müssen die Eltern mit im Boot haben.“ Sofern ihm seine Leitungsaufgaben an der neuen Stelle Zeit dafür lassen, möchte er weiterhin auch therapeutisch tätig sein. Dabei verfolgt er wie in seiner früheren Tätigkeit einen dreifachen Ansatz aus Einzel-, Gruppen- und Familientherapie. Wichtig ist ihm außerdem die Vernetzung mit anderen Helfersystemen wie Jugendamt, Schulen oder niedergelassenen Therapeut:innen. Wegen der fehlenden Kommunikation zwischen den verschiedenen Helfer:innen geht seiner Einschätzung nach viel Know-how verloren.

Eine zentrale Rolle nehmen für Zanda die Schulen ein: „Dort wird die Jugend sozialisiert.“ Leider seien gerade höhere Schulen unterversorgt, was die Ausstattung mit Schulpsycholog:innen oder Jugendsozialarbeit an Schulen angeht. Ein positives Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Beratungsstellen gelingen kann, ist für ihn das Pilotprojekt "Sozialpädagogische Beratung bei psychischen Belastungen an weiterführenden Schulen": Mira Glückler, Mitarbeiterin der Evangelischen Beratungsstelle, ist zehn Stunden pro Woche am Holbein-Gymnasium im Einsatz. Die Diplom-Pädagogin mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung berät dort junge Menschen mit psychischen Problemen, die von Schlafstörungen über Suchtverhalten bis zu Suizidäußerungen reichen. Zanda hält die Kooperationen mit Partner:innen wie Schulen für „ausbaufähig“ und möchte daher weitere Projekte anregen: „Wir müssen die Menschen da abholen, wo sie sind.“ Also etwa in Institutionen wie Schulen oder auch digitalen Räumen wie dem Internet. Seit der Coronapandemie können Klient:innen der Evangelischen Beratungsstelle auch Onlinevideoberatung nutzen – laut Zanda eine wichtige Ergänzung, auch wenn sie für ihn kein face-to-face-Gespräch ersetzt. Auch einzelne Vorträge aus dem Jahresprogramm der Beratungsstelle finden inzwischen online statt. Eine Entwicklung, die vermutlich auch in die Planung des Jahresprogramms 2023 einfließen wird, die im Juni ansteht.

Als sein „Haupthobby“ bezeichnet Zanda augenzwinkernd seine Familie und die Psychologie. Daneben gilt sein Interesse der Kunst in jeder Form: von Museen und Musik über Theater bis zur Architektur. Zudem beschäftigt er sich gern mit Geschichte und anderen Religionen. Dass es ihn nach 20 Jahren bei der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) wieder zu einem kirchlichen Träger verschlagen hat, sei kein Zufall: „Hier wird der menschliche Aspekt gelebt, das ist mir wichtig.“

Info: Zum Team der Evangelischen Beratungsstelle gehören 21 Mitarbeiter:innen, (überwiegend in Teilzeit) in der Beratung sowie 3 Mitarbeiter:innen im Sekretariat (Teilzeit).

Zuständig ist die Beratungsstelle für die Stadt und den Landkreis Augsburg sowie den Landkreis Aichach-Friedberg. In Friedberg gibt es ein neues Angebot: Im Karl-Sommer-Stift, einem Pflegeheim in Trägerschaft des DWA, berät Diplom-Sozialpädagogin (FH) Beate Wilsdorf an zwei Tagen in der Woche kostenlos. Finanziert wird das Angebot vom Landkreis Aichach-Friedberg. Sprechstunden bietet die Evangelische Beratungsstelle zudem in Nördlingen, Memmingen und Kaufbeuren an.

Zum Angebot gehören neben der Einzel-, Paar- und Familienberatung sowie der Beratung für Kinder und Jugendliche auch ein Vortragsprogramm sowie Gruppen und Seminare für die genannten Personengruppen.

Bildunterschrift: Denis Zanda leitet die Evangelische Beratungsstelle der Diakonie Augsburg. Foto: privat