Diakonie informiert: Neue Möglichkeiten beim P-Konto

Zwei Personen stehen an Geldautomaten und heben Bargeld ab. Foto: Pexels

Kontakt

Harald Eckart

Einrichtungsleitung

Pressemitteilung von:
Neue Regelungen für Pfändungsschutz in Kraft getreten.

Augsburg (pm). Zum 1. Dezember 2021 sind einige Neuregelungen zum Pfändungsschutzkonto in Kraft getreten. Was diese konkret für Schuldner*innen bedeuten, erklären Harald Eckart und Gisela Klaiber von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie für den Landkreis Augsburg.

Der Basispfändungsschutz liegt aktuell bei einem Guthaben von 1.260 Euro pro Monat und wird künftig jährlich statt bisher alle zwei Jahre angepasst. Um einen erhöhten Freibetrag zu erhalten, müssen Kontoinhaber*innen eine so genannte P-Konto-Bescheinigung bei ihrer Bank vorlegen. Diese kann die Beratungsstelle nun auch für Fallkonstellationen ausstellen, die bisher dem Vollstreckungsgericht vorbehalten waren. „Die Hürde zum Gericht zu gehen, war natürlich wesentlich höher“, erklärt Harald Eckart, Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung. Er sieht in der Neuregelung auch ein Ergebnis der „sozialanwaltlichen Tätigkeit und des sozialpolitischen Engagements der Wohlfahrtsverbände", die über Jahrzehnte immer wieder „bedeutsame Verbesserungen der sozialen Lage überschuldeter Menschen“ erreicht hätten.

Ein Beispiel, wo die Neuregelung konkret greift: Ein Schuldner stellt im November einen Antrag ans Jobcenter. Die Bearbeitung verzögert sich, damit auch die Auszahlung der Sozialleistungen. Um zwischenzeitlich die Miete bezahlen zu können, leiht sich der Mann privat Geld, das er natürlich zurückzahlen muss. Erst im Januar erhält der Antragsteller Zahlungen vom Jobcenter, dann allerdings rückwirkend für drei Monate. Damit dieser höhere Betrag auf seinem Konto nicht gepfändet wird und der Mann davon seine privaten Mietschulden zurückzahlen kann, benötigt er eine Bescheinigung. Diese kann ihm die Schuldner- und Insolvenzberatung seit Dezember ausstellen – und zwar kostenlos. „Eine seriöse Schuldnerberatung erkennen Ratsuchende daran, dass sie kostenfrei ist“, so Eckart. Leider tummelten sich in diesem Markt „viele schwarze Schafe“. Zu den gewerblichen Anbietern gehören laut Gisela Klaiber überregionale Sozietäten, die online mit ihren Klient*innen in Kontakt treten und keine persönliche Beratung anbieten. „Wir machen soziale Schuldnerberatung“, betont die Diakoniemitarbeiterin. Dazu gehört für sie nicht nur umzusetzen, „was der Gesetzgeber zum Schutz des Schuldners festgelegt hat“, sondern die gesamte Lebenssituation in den Blick zu nehmen und bei Bedarf an weitere Fachstellen der Diakonie und anderer Träger zu vermitteln. „Unser Ziel ist nicht, dass Gläubiger möglichst wenig Geld bekommen, sondern dass überschuldete Menschen wieder auf die Beine kommen“, ergänzt Eckart.

Theoretisch ist die Ausstellung einer P-Bescheinigung – gerade auch während der Pandemie – auch auf dem Postweg möglich. Die persönliche Anwesenheit eine*r Antragsteller*in ist dazu nicht zwingend erforderlich. In jedem Fall sollten Ratsuchende zunächst telefonisch Kontakt zur Schuldner- und Insolvenzberatung aufnehmen (Telefonnummer s. unten).

Info: Zum Team der Schuldner- und Insolvenzberatung gehören neben der Leitung acht Mitarbeiterinnen (sechs Beraterinnen und zwei Verwaltungskräfte), die alle in Teilzeit tätig sind. Das kostenlose Angebot richtet sich ausschließlich an Bürger*innen aus dem Landkreis Augsburg. Kostenträger ist der Landkreis Augsburg mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Kontakt:
Schuldner- und Insolvenzberatung für den Landkreis Augsburg
Spenglergäßchen 7 a
86152 Augsburg
Telefon (0821) 45019-3250
Öffnungszeiten Sekretariat und Terminvergabe:
Montag bis Donnerstag 8:30 bis 16:00 Uhr, Freitag 8:30 bis 12:00 Uhr
E-Mail: schuldner-insolvenzberatung@diakonie-augsburg.de