Diakonie: Dr. Ilona Luttmann geht in den Ruhestand

Dr. Ilona Luttmann, Fachvorständin des Diakonischen Werkes Augsburg. Foto: DWA/Lage
Pressemitteilung von:
Nach fast 15 Jahren bei der Diakonie Augsburg geht Fachvorstand Dr. Ilona Luttmann Ende Januar in den Ruhestand. Ihr Nachfolger ist Diplom-Pädagoge Michael Krause (39).

Augsburg (pm). Nach fast 15 Jahren beim Diakonischen Werk Augsburg (DWA) geht Fachvorstand Dr. Ilona Luttmann zum Monatsende in den Ruhestand. Ihr Nachfolger ist Diplom-Pädagoge Michael Krause (39).

Als die 65-Jährige 2007 ihren Dienst bei der Diakonie antrat, war sie zunächst Abteilungsleiterin für den Fachbereich Sozialpsychiatrie mit der Aussicht, die Stelle des 2. Vorstandes zu übernehmen: „Gereizt hat mich vor allem die komplexere fachliche Arbeit“, sagt die promovierte Sozialwissenschaftlerin, die vor ihrem Wechsel nach Augsburg zuletzt rund zehn Jahre lang die therapeutische Leitung einer Fachklinik zur Rehabilitation suchtkranker Menschen in der Nähe von Dresden innehatte und am Aufbau der Klinik mitgearbeitet hat: „Hinter Sucht verstecken sich nicht selten vielfältige psychische und soziale Probleme. Sich mit diesen unterschiedlichen Krankheitsbildern und Problemfällen auseinanderzusetzen und die unterschiedlichsten Hilfemaßnahmen vor Ort, im Sozialraum ambulant für die Menschen zu gestalten und (weiter) zu entwickeln, das war für mich der Motor des Wechsels.“ Daraus entwickelte sich, auch durch strukturelle Veränderungen im Werk wie etwa der  Abschaffung der Abteilungsleiterebene, die Rolle des Fachvorstands, der neben der Sozialpsychiatrie auch die Fach- und Dienstaufsicht für die Alten- und Jugendhilfe hat.

„Sehr fehlen“ wird Luttmann nicht nur ihrem Vorstandskollegen, dem Theologischen Vorstand Pfarrer Fritz Graßmann: „Für viele unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war sie eine wichtige Vertrauensperson, manchmal sogar Seelsorgerin.“ Seit knapp zehn Jahren haben Luttmann und Graßmann gemeinsam mit  dem Kaufmännischen Vorstand Markus Bottlang ein Team gebildet. Die Zusammenarbeit im Spannungsfeld zwischen christlicher Nächstenliebe, fachlicher Professionalität und Wirtschaftlichkeit bedurften laut Luttmann immer wieder der Auseinandersetzung: „Aber Auseinandersetzung ist Entwicklung. Deshalb habe ich diese geschätzt – auch wenn es immer mal wieder schwierig wurde.“

Zu den schwierigen Momenten ihrer Zeit bei der Diakonie gehörte die Schließung der Pflegeabteilung der Hermann-Sohnle-Siedlung in Hochzoll 2013, „die deshalb besonders schwierig zu kommunizieren war, weil sowohl Mitarbeiter*innen, Bewohner*innen, Angehörige, die Menschen im Betreuten Wohnen der Anlage, aber auch ein ganzer Stadtteil betroffen waren“, erinnert sich Luttmann. Auch rückblickend sei die Entscheidung aber richtig gewesen: „Es war emotional schwierig, aber notwendig, da die Einrichtung mit weniger als 50 Betten schwer refinanzierbar war.“ Zudem habe sie „in keiner Weise“ den Vorgaben des damals eingeführten Wohnpflegequalitätsgesetzes entsprochen. „Letztendlich ist mit dem Inklusionsprojekt Wohnen im Alter und Wiedereingliederung für psychisch kranke Menschen etwas sehr positives Neues entstanden“, so Luttmann. Zum Hintergrund: Nach dem Umbau der ehemaligen Pflegeabteilung ist 2015 mit dem Thomas-Breit-Zentrum eine sozialtherapeutische Übergangs- und Rehabilitationseinrichtung der Diakonie aus dem Domviertel nach Hochzoll umgezogen. Die jungen Menschen mit einer psychischen Erkrankung leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Senior*innen im Betreuten Wohnen der Hermann-Sohnle-Siedlung.

In ihrer Zeit bei der Diakonie habe sich im Werk „mehr und mehr das notwendige Bewusstsein entwickelt, dass wir uns auf einem Sozialmarkt behaupten müssen“, so Luttmann – verbunden mit der Erkenntnis: „Es ist nicht immer möglich, alles zu machen, was wünschenswert wäre.“ Zur Weiterentwicklung gehöre etwa die Spezialisierung wie z.B. in der stationären Altenhilfe mit Angeboten für Demenzkranke oder im Palliativbereich. Auch sei das DWA in den vergangenen Jahren gewachsen, neue Einrichtungen und Dienste sind hinzugekommen, wie etwa die Tagesstätte für psychische Gesundheit in Meitingen, das Familienbüro Bobingen oder die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB). „Sie hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung unseres Werkes in den letzten Jahren“, sagt Pfarrer Fritz Graßmann. „Dr. Ilona Luttmann war der Kopf hinter vielen Konzepten und neuen Entwicklungen in unserem Werk und besonders auch bei den Kostenträgern wegen ihrer hohen fachlichen Kompetenz und Verlässlichkeit sehr geschätzt.“ Darum freue er sich auch darüber, „dass sie uns in Augsburg erhalten bleibt“.

Luttmanns persönliche Bilanz ihrer Amtszeit beim DWA fällt versöhnlich aus: „Sicher habe ich Fehler gemacht, das liegt in der menschlichen Natur; sicher habe ich auch Entwicklung gefördert. Das war immer mein Ziel. Mit den Fehlern muss man sich versöhnen, die Entwicklung wird mit anderen Personen weitergehen.“ Neuer Fachvorstand wird zum 1. Februar Diplom-Pädagoge Michael Krause (39), zuletzt stellvertretender Leiter beim Kolping-Bildungswerk in der Diözese Augsburg e.V.. Dort war er unter anderem für die Personalleitung und -entwicklung zuständig sowie Beauftragter für Digitalisierung.

Mit Blick auf den bevorstehenden Ruhestand sagt Luttmann: „Ich werde mich neu erfinden müssen.“ Da sie sich allerdings bereits seit zwei Jahren mit diesem Schritt auseinandergesetzt habe, sieht sie sich gut vorbereitet. Augsburg, wohin die gebürtige Westfälin wegen ihres Jobs bei der Diakonie gezogen war, wird sie auch als Rentnerin treu bleiben: „Ich liebe die Berge.“ Dorthin wird sie künftig nicht wie bisher nur an den Wochenenden fahren können.

Bildunterschrift: Nach knapp 15 Jahren beim Diakonischen Werk Augsburg (DWA) geht Fachvorstand Dr. Ilona Luttmann zum Monatsende in den Ruhestand. Foto: DWA/Diana Riske